Chinas überraschende neue Führungsrolle im globalen Klimaschutz

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  • 22 November 2024
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Eine neue Ära in den Klimaverhandlungen: Chinas potenzielle Führungsrolle

Auf der jüngsten COP-Klimakonferenz kam es zu einer kritischen Diskussion. Der Chefunterhändler einer führenden Nation äußerte sich frustriert über die Stagnation der Diskussionen und betonte, dass unter den Delegierten zunehmend die Meinung herrsche, dass dies die bislang am wenigsten produktive COP sein könnte. Angesichts eines bevorstehenden Wechsels in der US-Führung, der möglicherweise die Unterstützung für internationale Klimabemühungen zurückziehen könnte, sind die Bedenken groß. Doch inmitten dieser Unsicherheit scheint sich in China ein bemerkenswerter Wandel abzuzeichnen.

Chinas sich entwickelnde Rolle bei der COP

In der Vergangenheit hat China bei den Klimaverhandlungen einen komplexen Weg beschritten. Manchmal hat es sich bei ehrgeizigen Klimazielen mit den Industrieländern verbündet, bei anderen Gesprächen aber auch als Hindernis gedient. Die COP15 in Kopenhagen 2009 war ein Beispiel für diese Dualität, als China sich den Forderungen der USA nach einer internationalen Überwachung der Emissionen widersetzte, was zu einem weithin als Scheitern des Gipfels angesehenen Ergebnis führte. Auf der diesjährigen Konferenz präsentierte sich China jedoch ausgesprochen kooperativ. Laut dem Chefunterhändler, mit dem ich sprach, war Chinas Offenheit hinsichtlich seiner Klimafinanzierungszusagen beispiellos. Zum ersten Mal gab das Land öffentlich bekannt, dass es seit 2016 über 24 Milliarden Dollar zur Unterstützung von Klimainitiativen in Entwicklungsländern beigesteuert hat.

Diese Ankündigung war ein wichtiger Indikator für die sich entwickelnde Haltung Chinas zur globalen Klimafinanzierung. Obwohl China die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt ist, wird es nach den Richtlinien der UN als Entwicklungsland anerkannt. In der Vergangenheit hat es sich jedoch geweigert, an kollektiven Finanzierungsbemühungen zur Unterstützung ärmerer Länder mitzuwirken. Angesichts der steigenden globalen Nachfrage nach erneuerbarer Energie – in Entwicklungsregionen wird mit einem deutlichen Anstieg gerechnet – ist China jedoch bereit, diese neuen Märkte zu nutzen.

Ein Wandel hin zur Führung

Neue Trends deuten darauf hin, dass die USA unter dem designierten Präsidenten Donald Trump, der Klimaschutzmaßnahmen als „Schwindel“ verunglimpft hat, ihre Rolle bei den internationalen Klimaverhandlungen möglicherweise aufgeben werden, China jedoch bereit zu sein scheint, dieses Führungsvakuum zu füllen. Experten zufolge haben Chinas robuste Investitionen in erneuerbare Technologien dem Land eine günstige Position auf dem Weltmarkt verschafft. China produziert derzeit 80 % der weltweiten Solarmodule und zwei Drittel der Windturbinenkomponenten. Das Land ist auch führend bei Lithiumbatterien und Elektrofahrzeugen – Sektoren, die für eine nachhaltige Energiezukunft von entscheidender Bedeutung sind.

Wie Professor Michael Jacobs anmerkte, spiegelt diese neu gewonnene Durchsetzungskraft den strategischen Schwenk Chinas wider, eine Führungsrolle in der globalen Umweltpolitik zu beanspruchen. Zwar bestehen Bedenken, dass andere von fossilen Brennstoffen abhängige Länder wie Saudi-Arabien die Verhandlungen behindern könnten. Unter Beobachtern herrscht jedoch weiterhin vorsichtiger Optimismus hinsichtlich der Fähigkeit Chinas, hinter verschlossenen Türen Fortschritte herbeizuführen. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass mit der Entwicklung der Landschaft der internationalen Klimaverhandlungen immer deutlicher wird, dass sich die Führungsdynamik ändert. Chinas proaktiver Ansatz könnte die gemeinsamen Bemühungen gegen den Klimawandel neu definieren. Da diese Veränderungen eher von wirtschaftlichen Interessen als von bloßem Altruismus getrieben werden, könnten die kommenden Jahre bedeutende Veränderungen in der Art und Weise mit sich bringen, wie die Länder in diesem kritischen Thema miteinander umgehen – unabhängig davon, wer in Washington die Macht hat.

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