Britische Wirtschaft steht vor Stagnation aufgrund von Haushaltsunsicherheit
Die britische Wirtschaft hat in den letzten Monaten nur minimales Wachstum erlebt, was ein Klima der Unsicherheit in Bezug auf die Haushaltsentscheidungen der Regierung widerspiegelt. Zwischen Juli und September wuchs die Wirtschaft nur um 0,1%, wobei allein im September ein Rückgang zu verzeichnen war. Diese schleppende Entwicklung hat bei Ökonomen und Unternehmen gleichermaßen Besorgnis ausgelöst.
Budgetunsicherheit beeinflusst Entscheidungsfindung
Nach ihrem Amtsantritt legte die Labour-Partei Wert auf Wirtschaftswachstum. Finanzministerin Rachel Reeves äußerte sich jedoch unzufrieden mit den jüngsten Wachstumszahlen, die die Anfangsphase ihrer Amtszeit abdecken.
Ökonomen haben betont, dass die Unsicherheit hinsichtlich möglicher Haushaltsmaßnahmen zu Zögern bei Unternehmen und Verbrauchern geführt hat. Ben Jones, leitender Ökonom der CBI-Unternehmensgruppe, wies darauf hin, dass viele Unternehmen im Vorfeld der Haushaltsbekanntgabe einen deutlichen Rückgang der Entscheidungstätigkeit gemeldet hätten.
Die Gegenreaktionen gegen die im Haushalt vorgesehenen Steuererhöhungen waren erheblich. Laut Jones dürfte die Erhöhung der Sozialversicherungsbeiträge für Unternehmen in Verbindung mit anderen finanzpolitischen Maßnahmen zu einem vorsichtigeren Umgang mit Einstellungen, Löhnen und Investitionen führen.
Konjunkturprognose bleibt düster
Analysten hatten für dieses Quartal eine Wachstumsrate von 0,2 % erwartet, nachdem von April bis Juni ein kräftiger Anstieg von 0,5 % zu verzeichnen war. Luke Bartholomew, stellvertretender Chefökonom bei Abrdn, merkte an, dass nach einem außergewöhnlich starken ersten Halbjahr zwar eine gewisse Verlangsamung zu erwarten sei, der Grad der Verlangsamung jedoch ausgeprägter sei als prognostiziert.
Andy Crisp, Manager der Restaurantkette Vapiano in Manchester, reflektiert diesen Trend und berichtet über seine Beobachtungen zum Verbraucherverhalten im Vorfeld der Haushaltsankündigung von Reeves.
Crisp bemerkte einen spürbaren Rückgang der Kundenfrequenz kurz vor der Veröffentlichung des Haushaltsplans und führte dies auf die Unsicherheit der Öffentlichkeit hinsichtlich seiner Auswirkungen zurück.
Der Dienstleistungssektor, der mehr als drei Viertel der britischen Wirtschaft ausmacht, hat in diesem Zeitraum eine besonders schwache Leistung gezeigt.
Mit Blick auf die Zukunft bezeichnete Finanzministerin Reeves ihren jüngsten Haushalt zwar als „Haushalt für Wachstum“, das Office for Budget Responsibility warnte jedoch, dass diese Maßnahmen nur vorübergehende Erleichterung bringen würden. Der unabhängige Prognostiker gab an, dass die Gesamtgröße der Wirtschaft in den nächsten fünf Jahren im Vergleich zu früheren Schätzungen „weitgehend unverändert“ bleiben werde.
Während die Inflationsraten unter das Ziel von 2% der Bank of England sinken, bleiben Fragen hinsichtlich der langfristigen wirtschaftlichen Stabilität und der Frage, wie sich künftige politische Maßnahmen auf die Konjunkturerholung in einem zunehmend unberechenbaren Umfeld auswirken werden.