Legalisierung der Sterbehilfe: Ein umstrittener Vorschlag in Großbritannien
Die Diskussion um Sterbehilfe in England und Wales flammt neu auf. Die Labour-Abgeordnete Kim Leadbeater plädiert für einen neuen Gesetzentwurf, der todkranken Patienten die Möglichkeit geben soll, ihr Leiden zu beenden. Der Vorschlag gewinnt an Popularität und hat sowohl Unterstützung als auch erheblichen Widerstand hervorgerufen. Er verdeutlicht die komplexe ethische Landschaft der Entscheidungen am Lebensende.
Wichtige Bestimmungen des Gesetzesentwurfs
Leadbeaters Gesetzentwurf mit dem Titel „Terminally Ill Adults (End of Life) Bill“ wurde am Montag vorgestellt und soll einen Rahmen für Sterbehilfe schaffen. Im Rahmen dieses Gesetzes:
- Todkranke Erwachsene, deren Lebenserwartung bei höchstens sechs Monaten liegt, können Unterstützung bei der Beendigung ihres Lebens beantragen.
- Die Berechtigung wird von zwei unabhängigen Ärzten und einem Richter des Obersten Gerichtshofs überprüft. Dadurch wird sichergestellt, dass die Entscheidung freiwillig und informiert erfolgt.
- Die Patienten behalten sich das Recht vor, ihre Meinung jederzeit während des Prozesses zu ändern.
- Das Gesetz verbietet ausdrücklich jegliche Form von Zwang oder Druck und sieht harte Strafen – darunter bis zu 14 Jahre Gefängnis – für diejenigen vor, die gegen diese Bestimmung verstoßen.
Leadbeater betonte, dass ihr Ansatz „die Verkürzung des Todes und nicht die Beendigung des Lebens“ in den Vordergrund stellt, und versicherte, dass die vorgeschlagenen Sicherheitsvorkehrungen zu den strengsten der Welt gehören. Sie glaubt, dass diese Gesetzgebung bestehende Defizite behebt, die zu qualvollen Todesfällen für Patienten und ihre Familien führen.
Leadbeater kritisierte die aktuellen Gesetze als unzureichend und verursachte unnötiges Leid. Sie beharrte darauf, dass ihr Gesetzentwurf eine notwendige Option für Menschen mit unheilbaren Krankheiten darstelle.
Geteilte Meinungen unter den Gesetzgebern
Die bevorstehende Debatte am 29. November wird die erste parlamentarische Abstimmung über Sterbehilfe seit einem gescheiterten Versuch im Jahr 2015 sein. Während einige Abgeordnete Leadbeaters Initiative unterstützen, äußern andere Bedenken hinsichtlich möglicher Zwangsmaßnahmen und ethischer Auswirkungen.
Zu den prominenten Stimmen im Parlament gehören:
- Der konservative Abgeordnete Kit Malthouse unterstützt den Gesetzentwurf, räumt jedoch ein, dass weiterhin Bedenken hinsichtlich seiner Umsetzung bestehen.
- Sir Ed Davey, Vorsitzender der Liberaldemokraten, will sich dem Gesetz widersetzen, weil er befürchtet, dass dadurch die Freiheiten unheilbar Kranker eingeschränkt werden könnten.
Oppositionsvertreter plädieren dafür, den Schwerpunkt auf die Verbesserung der Palliativpflege zu legen, statt Sterbehilfe zu legalisieren. Gesundheitsminister Wes Streeting hat seine Ablehnung des Vorschlags zum Ausdruck gebracht und die unzureichende Sterbebegleitung als kritisches Problem bezeichnet, das gelöst werden müsse, bevor derartige Gesetzesänderungen in Betracht gezogen werden könnten.
Blick in die Zukunft: Die Zukunft der Sterbehilfe-Gesetzgebung
Während die Diskussionen um diesen Gesetzesentwurf immer weiter voranschreiten, wird deutlich, dass die öffentliche Meinung tief gespalten ist. Während sich einige Aktivisten für Wahlfreiheit und Würde beim Sterben einsetzen – wie es die persönlichen Geschichten von Menschen wie Dame Esther Rantzen zeigen –, schlagen andere Alarm, weil solche Änderungen zu möglichen gesellschaftlichen Veränderungen führen könnten.
Das Ergebnis der bevorstehenden Abstimmung wird nicht nur die Zukunft der Sterbehilfe in England und Wales bestimmen, sondern könnte auch ähnliche Debatten in Schottland beeinflussen, wo im Herbst ein weiterer Vorschlag erwartet wird. Da die Gesellschaft mit diesen moralischen Dilemmata ringt, ist es nach wie vor unerlässlich, eine intensive Diskussion über Palliativpflege und Sterbehilfe zu gewährleisten.