Jamie Oliver zieht Kinderbuch nach Kontroverse zurück
Starkoch Jamie Oliver hat beschlossen, sein neu erschienenes Kinderbuch „Billy and the Epic Escape“ aus den Regalen zu nehmen, nachdem es für seine Darstellung der australischen Ureinwohner heftige Kritik einstecken musste. Der 400 Seiten lange Fantasyroman, der Anfang des Jahres veröffentlicht wurde, handelt von einem jungen Aborigine-Mädchen mit mystischen Fähigkeiten, das aus seiner Heimat in Zentralaustralien entführt wird.
Von den Führern der First Nations geäußerte Bedenken
Mehrere Anführer von First-Nations-Gemeinden bezeichneten das Buch als „beleidigend“ und führten Probleme wie sprachliche Ungenauigkeiten und die Aufrechterhaltung von Stereotypen an, die die Kultur und Erfahrungen der indigenen Völker untergraben.
Die erzählerischen Entscheidungen wurden dafür kritisiert, komplexe kulturelle Identitäten zu trivialisieren. Ein prominenter Anführer betonte, dass die übernatürlichen Fähigkeiten der Figur – wie Gedankenlesen und die Kommunikation mit Tieren – reiche Glaubenssysteme auf bloße Magie reduzieren.
Darüber hinaus wurden die Entführungshandlungen als besonders unsensibel empfunden. Die Gemeindevorsteherin Sue-Anne Hunter betonte, dass dieses Element angesichts des historischen Kontexts der Gestohlenen Generationen in Australien, in deren Verlauf Aborigines- und Torres-Strait-Insulaner-Kinder gewaltsam aus ihren Familien entfernt wurden, beunruhigend sei.
Eingeständnis von Fehlern
In einer Stellungnahme drückte Oliver sein Bedauern über den durch das Buch verursachten Schmerz aus und betonte, es sei nie seine Absicht gewesen, ein so sensibles Thema falsch darzustellen. Er bestätigte, dass er während der Entstehung des Buches zunächst versucht habe, mit australischen Ureinwohnern zu sprechen. Ein „redaktionelles Versehen“ habe jedoch dazu geführt, dass keine solchen Gespräche stattgefunden hätten.
Der Verlag Penguin Random House UK räumte seine Versäumnisse in dieser Angelegenheit ein. Er erklärte, dass seine Veröffentlichungsstandards nicht den Erwartungen entsprochen hätten und versprach, aus diesem Vorfall zu lernen.
Dr. Anita Heiss, eine Wiradyuri-Autorin und Verlegerin, kritisierte die in australischen Verlagen dargestellte koloniale Perspektive. Sie argumentierte, dass es keinen Platz für Geschichten über indigene Völker gebe, wenn diese aus einer Perspektive erzählt würden, der eine echte Verbindung zu diesen Gemeinschaften fehlt.
Aufgrund dieser Kritik haben Oliver und sein Verleger beschlossen, den Titel weltweit aus dem Verkauf zu nehmen.
Blick in die Zukunft
Dieser Vorfall wirft ein Schlaglicht auf die anhaltenden Diskussionen über die Darstellung in der Literatur, insbesondere in Bezug auf indigene Stimmen. Während sich die Diskussionen weiterentwickeln, wird klar, dass ein dringender Bedarf an authentischem Geschichtenerzählen besteht, das unterschiedliche Kulturen und Geschichten respektiert und genau widerspiegelt. Die Reaktion auf Olivers Buch dient als Erinnerung für Schöpfer aller Medien, sich mit sensiblen Themen nachdenklich auseinanderzusetzen und relevante Gemeinschaften zu konsultieren, bevor sie Erzählungen veröffentlichen, die sie betreffen könnten.