Wiederaufbau des englischen Rugby: Kann Borthwick das Ruder herumreißen?

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  • 11 November 2024
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Englands Rugby-Nationalmannschaft erlebt einen entscheidenden Umbau

Nach der dramatischen 42:37-Niederlage gegen Australien steht Englands Cheftrainer Steve Borthwick an einem Wendepunkt seiner Trainerkarriere. Mit einer Siegquote von 50 % und 13 Siegen in 26 Spielen bleibt Borthwicks Leistung hinter der seiner Vorgänger Eddie Jones und Stuart Lancaster zurück, die Siegquoten von 73 % bzw. 61 % vorweisen konnten. Die Geschichte ist jedoch nicht so eindeutig, wie die Zahlen vermuten lassen.

Kontextuelle Herausforderungen beim Team-Neuaufbau

Borthwick befindet sich mitten in einer umfassenden Teamumstrukturierung, nachdem man sich während der letzten Rugby-Weltmeisterschaft stark auf erfahrene Spieler verlassen hatte. Schlüsselfiguren wie Owen Farrell, Courtney Lawes und Manu Tuilagi haben sich zurückgezogen und eine Erfahrungslücke hinterlassen, die Zeit und Geduld erfordert, um sie zu füllen.

England hat zwar fünf der letzten sechs Spiele verloren, doch alle Niederlagen wurden knapp gegen Elite-Konkurrenten entschieden. Diese Umstände unterstreichen die Herausforderungen, vor denen Borthwick steht, und sind wahrscheinlich der Grund, warum er weiterhin Unterstützung von der Rugby Football Union (RFU) erhält. Die Unterstützung der RFU ist offensichtlich, da sie Borthwick beispiellose Autorität für einen englischen Trainer zugesprochen hat. Dennoch löste die schwere Niederlage gegen Australien bei den Fans Besorgnis aus. Es war Englands sechste Niederlage in zehn Spielen und trug dazu bei, dass das Team in der Weltrangliste auf den siebten Platz abrutschte.

Der Weg in die Zukunft: Erwartungen vs. Realität

Nach dem Spiel gegen Australien betonte Kapitän Jamie George trotz der Kritik von außen, wie wichtig die Einigkeit innerhalb der Mannschaft sei. Das Spiel gegen den zweimaligen Weltmeister Südafrika nächste Woche wird für Borthwick und seine Spieler ein entscheidender Test sein. In früheren Begegnungen, in denen England als Außenseiter galt – wie etwa bei den Siegen gegen Argentinien bei der Weltmeisterschaft und Irland bei den Six Nations – zeigte das Team Widerstandskraft. Jetzt jedoch steht es vor der dringenden Notwendigkeit, die Schwächen zu beheben, die es gegen Australien gezeigt hat; insbesondere in der Verteidigung und im Umgang mit dem Ball. Borthwick hatte Probleme mit der Kontinuität im Trainerstab, da er in nur einem Jahr drei verschiedene Abwehrtrainer hatte. Diese Instabilität stört die Entwicklung und den Zusammenhalt innerhalb des Teams. Auch die taktische Identität scheint fragmentiert, sodass Spieler wie Marcus Smith zwischen gegensätzlichen Spielstrategien navigieren müssen. Während England versucht, auf heimischem Boden wieder Tritt zu fassen, sind die Erwartungen an eine geschlossene Leistung gegen Südafrika nach wie vor hoch. Da aus den letzten Spielen noch Lehren gezogen werden müssen, könnten die Fans bald müde werden, wenn sich die Fortschritte nicht in greifbaren Ergebnissen niederschlagen. Während Borthwick sich auf das bevorstehende Aufeinandertreffen in Twickenham vorbereitet, muss er das Potenzial seiner Mannschaft ausschöpfen und gleichzeitig wichtige Bereiche mit Verbesserungspotenzial angehen, wenn er das Vertrauen der Fans stärken und Englands Ansehen auf der internationalen Bühne steigern möchte.

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