Umstrittenes Gesetz erlaubt die Abschiebung der Familien verurteilter Terroristen in Israel
Das israelische Parlament hat ein umstrittenes Gesetz verabschiedet, das es der Regierung erlaubt, Familienangehörige von Personen, die wegen terroristischer Straftaten verurteilt wurden, zu deportieren – darunter auch israelische Staatsbürger. Dieses Gesetz, das von einem Mitglied der Likud-Partei von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu vorangetrieben wurde, zielt speziell auf Verwandte ersten Grades – Eltern, Geschwister und Kinder – von Personen ab, die wegen terroristischer Straftaten verurteilt wurden.
Implikationen und Kritik
Menschenrechtsorganisationen in Israel haben das Gesetz als verfassungswidrig verurteilt. Viele Kritiker argumentieren, dass die Gesetzgebung palästinensische Bürger Israels, oft als israelische Araber bezeichnet, unverhältnismäßig stark betreffe. Das Gesetz sieht die Abschiebung von Familienmitgliedern vor, wenn diese im Vorfeld von einem Terroranschlag Kenntnis hatten und diesen entweder nicht gemeldet oder Unterstützung dafür zum Ausdruck gebracht haben. Darüber hinaus können auch Verwandte, die in irgendeiner Form Sympathie oder Ermutigung für den Terrorismus zeigen, mit der Abschiebung rechnen.
Einige Knesset-Abgeordnete äußerten Bedenken, dass das Gesetz nicht für alle Bevölkerungsgruppen gleichermaßen gelten würde. So stellte Oppositionsabgeordnete Merav Michaeli fest, dass Familien mit Verbindungen zu jüdischen Extremisten wie Yigal Amir – dem Mörder des ehemaligen Premierministers Yitzhak Rabin – wahrscheinlich nicht betroffen sein würden.
Andere Parlamentarier schlossen sich dieser Meinung an und fragten, ob Familien wie die des Nationalen Sicherheitsministers Itamar Ben Gvir trotz seiner eigenen umstrittenen Vergangenheit, in der es auch Anstiftung zur Gewalt gab, mit ähnlichen Konsequenzen rechnen müssten.
Dr. Dahlia Scheindlin, eine politische Analystin in Israel, betonte, dass das Gesetz offenbar speziell auf die arabische und palästinensische Gemeinschaft abzielt. Sie hob hervor, dass Terrorismus im lokalen Diskurs selten mit jüdischen Taten gegen Palästinenser in Verbindung gebracht wird.
Rechtliche Herausforderungen stehen bevor
Auch Beamte des Justizministeriums äußerten Bedenken hinsichtlich der Durchsetzung und Verfassungsmäßigkeit dieses neuen Gesetzes. Eran Shamir-Borer vom Israel Democracy Institute prognostiziert, dass das Gesetz im Falle einer Anfechtung vor Gericht aufgrund früherer Urteile zu Abschiebepraktiken wahrscheinlich aufgehoben würde.
Shamir-Borer bemerkte, dass die Gesetzgebung den zentralen demokratischen Werten und Prinzipien Israels grundsätzlich widerspreche.
Nach diesem neuen Gesetz könnten die Abgeschobenen nach Gaza oder, je nach den Umständen, an alternative Ziele geschickt werden. Israelische Bürger würden zwar nach der Abschiebung ihre Staatsbürgerschaft behalten, könnten aber für einen Zeitraum von sieben bis 15 Jahren mit Einreisebeschränkungen belegt werden. Für Personen mit dauerhaftem Aufenthaltsrecht könnten sogar noch längere Einreiseverbote von zehn bis zwanzig Jahren gelten.
Angesichts der anhaltenden Spannungen in der Region und der anhaltenden Debatten über Staatsbürgerschaft und Rechte wirft dieses umstrittene Gesetz erhebliche Fragen hinsichtlich seiner künftigen Umsetzung und der umfassenderen gesellschaftlichen Auswirkungen für alle Bürger Israels auf.