Medizinische Krise im Gazastreifen: 200 kranke Palästinenser im Zuge des Konflikts evakuiert

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  • 07 November 2024
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Große medizinische Evakuierung aus Gaza im Zuge des anhaltenden Konflikts

Im Rahmen einer umfangreichen humanitären Aktion haben die israelischen Behörden über 200 schwer erkrankte Palästinenser aus Gaza evakuiert. Diese Operation ist eine der größten medizinischen Evakuierungen der letzten Monate und fand inmitten zunehmender Spannungen und schrecklicher Bedingungen in der Region statt. Die Evakuierung wurde unter der Aufsicht von Cogat, der humanitären Abteilung des israelischen Militärs, in Zusammenarbeit mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) durchgeführt.

Die Operation ermöglichte die Durchreise von 231 Gaza-Bewohnern über den von Israel kontrollierten Grenzübergang Kerem Shalom, darunter Patienten mit verschiedenen schweren Erkrankungen wie Autoimmunerkrankungen, Krebs und Nierenerkrankungen. Die WHO berichtete jedoch, dass noch immer rund 14.000 Personen auf eine medizinische Evakuierung warten.

Anhaltende humanitäre Krise

Seit der Schließung der Grenzübergänge nach dem Angriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2022 ist der Zugang zu medizinischer Versorgung stark eingeschränkt. Zwischen November und Mai konnten rund 4.900 palästinensische Patienten Gaza zur Behandlung verlassen, nachdem Ägypten seinen Grenzübergang Rafah für medizinische Evakuierungen wieder geöffnet hatte. Seit Mai konnten jedoch nur 229 Patienten ausreisen, da die Grenzen wieder verschärft wurden. Zusätzlich zu den Evakuierungsbemühungen gab die WHO den Abschluss einer Polio-Impfkampagne in ganz Gaza bekannt. Nach einem jüngsten Poliofall – dem ersten seit 25 Jahren – berichtete Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus, dass seit September 94 % der Kinder unter zehn Jahren zwei Impfdosen erhalten haben.

Trotz dieser Bemühungen äußerte Dr. Tedros seine Besorgnis darüber, dass zwischen 7.000 und 10.000 Kinder weiterhin gefährdet sind, da sie für ihre Impfungen nicht erreichbar sind. Teile des nördlichen Gazastreifens waren aufgrund der laufenden Militäroperationen von dieser Kampagne ausgeschlossen. Während sich die militärischen Aktivitäten in Regionen wie Beit Lahia und Jabalia intensivieren, wo die israelischen Verteidigungsstreitkräfte (IDF) angeblich Hamas-Kämpfer angreifen, geraten immer mehr Zivilisten ins Kreuzfeuer. Angesichts der Berichte über schwere Bombardierungen wurden die Bewohner aufgefordert, über ausgewiesene sichere Routen zu evakuieren.

Wachsender Bedarf an Hilfe

Obwohl die Evakuierung am Mittwoch als positiver Schritt nach vorne gewertet wurde, betrifft sie nur einen kleinen Teil der Menschen, die dringend medizinische Hilfe benötigen. Da 19 der 36 Krankenhäuser in Gaza nicht betriebsbereit sind und andere nur mit eingeschränkter Kapazität arbeiten, ist der Zugang zur Gesundheitsversorgung nach wie vor kritisch schlecht. Dr. Marwan Abu Saada vom al-Shifa Medical Complex betonte die dringende Notwendigkeit internationaler Hilfe. Er wies darauf hin, dass Kinder, die an Leukämie und anderen schweren Krankheiten leiden, dringend im Ausland behandelt werden müssen. Während der internationale Druck auf Israel wächst, die sich verschlechternde humanitäre Situation im Gazastreifen zu verbessern – die von UN-Vertretern als „apokalyptisch“ beschrieben wird – wird der Bedarf an nachhaltiger Hilfe nur noch weiter steigen, wenn die Feindseligkeiten anhalten. Mit Blick auf die Zukunft müssen sowohl lokale als auch globale Akteure zusammenarbeiten, um diese eskalierenden Herausforderungen wirksam anzugehen und gleichzeitig angesichts der anhaltenden Konflikte den humanitären Bedürfnissen Priorität einzuräumen.

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