Ansichten des britischen Außenministers zu Reparationen und afrikanischen Beziehungen
Wiedergutmachung: Eine breitere Perspektive
Der britische Außenminister David Lammy befasste sich kürzlich mit dem Thema Wiedergutmachung für Länder, die von Kolonialismus und Sklaverei betroffen waren. Angesichts eines gemeinsamen Briefs von 56 Staats- und Regierungschefs des Commonwealth, in dem sie sich für Gespräche über Wiedergutmachung aussprachen, stellte Lammy klar, dass es bei diesem Gespräch „nicht um die Überweisung von Geld“ gehe.
Er betonte, dass die Diskussion um Reparationen das Thema oft zu sehr vereinfacht. In einem Interview mit der BBC erklärte er:
„Ich möchte betonen, dass in der Presse eine Art vereinfachende Debatte stattfindet, in der man glaubt, es ginge hier um den Transfer von Bargeld.“
Stattdessen äußerte Lammy den Wunsch, sich auf die Entwicklung von Beziehungen zu afrikanischen Ländern durch Wissensaustausch und technische Fähigkeiten statt durch finanzielle Entschädigung zu konzentrieren.
Aufbau zukünftiger Partnerschaften
Während seiner Rede in Lagos, einer Stadt mit historischer Bedeutung für den transatlantischen Sklavenhandel, erkannte Lammy die Rolle Großbritanniens in der Vergangenheit bei diesen Ereignissen an und betonte erneut, wie wichtig frühere Entschuldigungen für die Sklaverei seien:
„Wenn wir auf diese Zeit zurückblicken, gab es viele Schrecken … Ich bin der Nachkomme versklavter Menschen …“
Er räumte zwar ein, dass die karibischen Staaten einen 10-Punkte-Plan zur Wiedergutmachung vorgeschlagen hätten, glaubt jedoch, dass der wahre Fortschritt in der gegenseitigen Entwicklung durch den Transfer von Fähigkeiten liege.
Lammys Kommentare kamen kurz nach Diskussionen beim Treffen der Commonwealth-Regierungschefs (CHOGM) in Samoa, bei dem die Forderungen nach Wiedergutmachung lauter wurden. Trotz anfänglicher Zurückhaltung aus Downing Street, sich an Wiedergutmachungsgesprächen zu beteiligen, plädierte Sir Keir Starmer später für Gespräche über „Wiedergutmachungsgerechtigkeit“.
Ein neuer Ansatz für Afrika
Auf seiner Afrikareise, die auch Besuche in Nigeria und Südafrika beinhaltete, äußerte Lammy die Notwendigkeit eines „neuen Ansatzes gegenüber Afrika“. Er betonte:
„Seit der letzten Regierungszeit meiner Partei hat sich viel verändert … Es gibt so viel Potenzial.“
Lammy plant, eine fünfmonatige Konsultationsphase mit afrikanischen Ländern einzuleiten, um Möglichkeiten der Zusammenarbeit auszuloten. Er äußerte sich besorgt über Probleme, die Afrika betreffen, insbesondere den anhaltenden Konflikt im Sudan, dem er während seiner Amtszeit als Vorsitzender des UN-Sicherheitsrats Priorität einräumen möchte.
Die Dringlichkeit ist klar. Lammy stellte fest:
„Die humanitäre Katastrophe … gibt Anlass zu äußerster Sorge.“
Sein Ziel ist es, die internationale Aufmerksamkeit wieder auf den Sudan zu lenken, der mit erheblichen Instabilitäten konfrontiert ist, die nicht nur Ostafrika, sondern möglicherweise auch Europa betreffen.