Eine US-Flugzeugträgerkampfgruppe ist eine bedeutende Demonstration der militärischen Stärke Amerikas und dient als Zusicherung für Verbündete und als Abschreckung für Gegner. Die jüngste Stationierung einer solchen Truppe in der Nordsee soll das Vertrauen der europäischen Partner stärken, trotz anhaltender politischer Unsicherheiten innerhalb der Vereinigten Staaten. Seit über 75 Jahren spielt die amerikanische Militärpräsenz eine entscheidende Rolle für die Sicherheit Europas, doch die bevorstehenden Präsidentschaftswahlen werfen Fragen über die Zukunft dieser Unterstützung auf.
Militärische Führer versuchen, die Politik außen vor zu lassen. Bei einer kürzlichen Veranstaltung an Bord der USS Harry S. Truman drehten sich die Diskussionen jedoch natürlich um die Auswirkungen des US-Präsidentschaftswahlkampfes. Konteradmiral Sean Bailey bekräftigte Amerikas starkes Bekenntnis zur NATO und ihren Verbündeten. Da er jedoch nicht die Außenpolitik bestimmt, dürften seine Zusicherungen die Bedenken über mögliche Schwankungen der US-Unterstützung nicht zerstreuen.
Der deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius äußerte sich auf die Frage nach den Auswirkungen der Wahl auf Europa bewusst, dass er sich der veränderten Dynamik bewusst sei. Er deutete ein Szenario an, in dem sich die USA weniger stark in europäische Sicherheitsfragen einmischen könnten. Obwohl er keine konkreten Namen nannte, wird der ehemalige Präsident Donald Trump allgemein als jemand angesehen, der das amerikanische Engagement wahrscheinlich reduzieren würde.
Die USS Harry S. Truman ist nach dem Präsidenten benannt, der vor 75 Jahren eine Schlüsselrolle bei der Gründung der NATO spielte. Eine zweite Amtszeit Trumps könnte die Stabilität des Bündnisses gefährden. Sein „America First“-Ansatz steht in krassem Gegensatz zur Truman-Doktrin, demokratische Nationen zu unterstützen, die bedroht werden. Trump hat zuvor angedeutet, dass Russland ohne Hemmungen gegen Verbündete vorgehen könnte, die ihre Verteidigungsausgabenziele nicht erfüllen.
Ein Abzug der US-Truppen aus Europa würde erhebliche Lücken in der Verteidigungsfähigkeit schaffen. Die USS Harry S. Truman ist mit 5.000 Mann Besatzung und über 60 Flugzeugen ein Paradebeispiel für die Stärke des amerikanischen Militärs, während die britische HMS Prince of Wales mit einem viel kleineren Kontingent an Hubschraubern und F-35-Jets operiert. Die USA haben in ganz Europa rund 100.000 Soldaten stationiert.
Während seiner vorherigen Amtszeit deutete Trump an, dass er im Falle seiner Wiederwahl die US-Truppen in Europa reduzieren könnte. Einige Republikaner plädieren dafür, dass Europa mehr Verantwortung für seine eigene Verteidigung übernimmt. Diese Meinung wurde auch von Elbridge Colby aus der letzten Trump-Regierung geteilt, die vorschlug, den Fokus auf den Kampf gegen China zu verlagern, anstatt umfangreiche militärische Verpflichtungen in Europa aufrechtzuerhalten.
Die Wahl wird auch die US-Militärhilfe für die Ukraine beeinflussen, da Amerika weiterhin ihr wichtigster Unterstützer ist. Ein NATO-Vertreter räumte kürzlich ein, dass der amerikanische Beitrag ungeachtet des Wahlergebnisses mit der Zeit abnehmen könnte.
Angesichts dieser geopolitischen Überlegungen ist es offensichtlich, dass Amerika seinen militärischen Fokus zunehmend nach Asien und auf die Herausforderungen durch China verlagert, das mittlerweile über eine größere Marine als die USA verfügt. Die Seeleute an Bord des Flugzeugträgers sind sich dieser Wende bewusst, bleiben aber für Einsätze bereit, wo immer sie nötig sind.
Während sich das Militär über mögliche zukünftige Einsätze im Klaren ist – darunter auch Berichte, die eine Rückkehr in die Gewässer des Nahen Ostens nahelegen –, spiegelt die allgemeine Stimmung eine Zurückhaltung gegenüber einer stärkeren Einmischung in ausländische Konflikte angesichts innenpolitischer Veränderungen wider. Während Fragen über Amerikas globale Rolle und Einfluss unter neuer Führung auftauchen, bleibt klar, dass Amerika weiterhin eine dominierende Militärmacht auf der Weltbühne sein wird.