Inmitten der frischen Herbstluft versammeln sich Gruppen chinesischer Touristen auf einem 12-stöckigen Gebäude und positionieren sich eifrig, um den Moment festzuhalten, in dem China auf seine Nachbarn Russland und Nordkorea trifft. Ein Wandgemälde zeigt die ineinander verschlungenen Flaggen aller drei Nationen und unterstreicht Fangchuans einzigartige geografische Bedeutung im Nordosten Chinas. Eine Frau, die mit Kollegen zu Besuch ist, drückt ihren Stolz darüber aus, an diesem Scheideweg anwesend zu sein, und erklärt: „Es gibt keine Grenzen zwischen den Menschen“, obwohl solche Gefühle die komplexe politische Landschaft übersehen könnten.
Die jüngsten Entwicklungen haben die Bedenken über die sich vertiefenden Beziehungen zwischen Wladimir Putin und Kim Jong Un verstärkt. Berichten zufolge schickt Nordkorea Truppen, um Russlands Bemühungen in der Ukraine zu unterstützen. Diese Eskalation folgt auf den jüngsten Abschuss einer Interkontinentalrakete durch Pjöngjang, der die Spannungen mit Südkorea verschärft hat.
Christopher Green von der International Crisis Group betont Chinas Wunsch nach einem kontrollierten Verhältnis zu Nordkorea und merkt an, dass Pjöngjangs Bündnis mit Moskau eine Herausforderung für Pekings Interessen darstellt. Da der Westen diese Partnerschaft zunehmend kritisch betrachtet, gerät China zunehmend in die Zwickmühle.
Während Moskau und Pjöngjang die Vorwürfe einer Truppenentsendung in die Ukraine zurückweisen, behauptet der US-Geheimdienst, dass es Beweise dafür gebe. Diese Situation entstand kurz bevor der chinesische Staatschef Xi Jinping sich mit Putin zu einem Gipfel traf, bei dem es darum ging, Einigkeit gegen den westlichen Einfluss zu demonstrieren.
Pekings Rolle als stabilisierende Macht wird immer prekärer, da seine Verbündeten seiner Kontrolle entgleiten. Green weist darauf hin, dass China mit diesen Entwicklungen zwar unzufrieden ist, seine Beschwerden jedoch mit Diskretion behandelt.
Touristen in Fangchuan scheinen fasziniert von Nordkoreas rätselhafter Präsenz jenseits des Tumen-Flusses, der als natürliche Grenze dient. Von diesem Aussichtspunkt aus ist auf der nordkoreanischen Seite nur wenig los, abgesehen von gelegentlichen Radfahrern und einer Schule, die Bildung für „Chosun“, einen anderen Namen für Nordkorea, fördert.
Nordkorea ist historisch eng mit China verflochten und ist für sein wirtschaftliches Überleben stark von China abhängig – über 90 Prozent seines Handels kommen aus Peking. Diese Abhängigkeit steht in krassem Gegensatz zur Vergangenheit, als die Menschen in den 1960er Jahren vor Hungersnöten nach Nordkorea flohen. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 suchten viele Nordkoreaner Zuflucht in China, um den schrecklichen Bedingungen zu entgehen.
Während Kim engere Beziehungen zu Russland erkundet, weisen Analysten darauf hin, dass dieser Kurswechsel sowohl Chancen als auch Risiken für Peking birgt. Chinas langjährige Politik, ein atomar bewaffnetes Nordkorea zu verhindern, könnte nun aufgrund wechselnder Allianzen ins Wanken geraten.
Während Xi enge Beziehungen zu Russland unterhält, um dem Einfluss der USA weltweit entgegenzuwirken, strebt er auch eine Verbesserung der Beziehungen zu Europa und den Nachbarländern an. Die Möglichkeit einer verstärkten militärischen Unterstützung und eines verstärkten Technologieaustauschs zwischen Russland und Nordkorea löst in Peking und Washington Besorgnis aus.
Angesichts der zunehmenden Spannungen in Nordostasien und der anhaltenden Diskussionen über Atomwaffen in Südkorea betonen Experten, dass die Stabilität in der Region auf einem empfindlichen Gleichgewicht steht, während Kim seine Beziehungen inmitten des eskalierenden globalen Drucks steuert.