Die Wahrheit über Zwangsadoptionen in Italien
In den Jahren zwischen 1950 und 1970 wurden Hunderte italienischer Kinder mit dem Versprechen einer besseren Zukunft in die Vereinigten Staaten geschickt. Offiziell wurden diese Kinder als Waisen auf der Suche nach einer Adoptivfamilie dargestellt, doch die Realität sah ganz anders aus: Viele waren Kinder alleinerziehender Mütter, die aus sozialen und wirtschaftlichen Gründen gezwungen waren, ihre Kinder aufzugeben. Eine Untersuchung von CBS News brachte diese dramatische Wahrheit kürzlich ans Licht und wirft Fragen auf, die bis zu Papst Franziskus reichen.
Die Rolle des Vatikans und der Druck auf Mütter
CBS-Recherchen ergaben, dass ein vom Vatikan inszeniertes Projekt 3.500 italienische Kinder in die Vereinigten Staaten brachte, um von amerikanischen katholischen Familien adoptiert zu werden. Monsignore Andrew Landi, ein Vertreter der ehemaligen National Catholic Welfare Conference, spielte eine entscheidende Rolle bei der Visabeschaffung für diese Kinder. Die Untersuchung ergab jedoch, dass die meisten der Kleinen keine echten Waisen waren; Viele waren Kinder von Frauen, die ungewollt schwanger geworden waren.
Der Untersuchung zufolge wurden Mütter im Adoptionsprozess häufig unter Druck gesetzt oder getäuscht.
Diese Praktiken waren kein Einzelfall: Ähnliche Situationen gab es auch in Belgien und Irland, wo religiöse Institutionen an ähnlichen Formen des Babyhandels beteiligt waren.
Die Forderung nach Gerechtigkeit und Anerkennung
Kürzlich berichtete die Fernsehsendung „60 Minutes“ über diese Geschichte, wobei sie sich von Maria Laurinos Buch „The Price of the Innocents“ (Longanesi 2023) inspirieren ließ und Aussagen mehrerer amerikanischer Adoptierter sammelte. In einem Brief an den Papst betonten die Antragsteller die Schwierigkeiten bei der Suche nach italienischen leiblichen Müttern und fragten, ob der Vatikan beabsichtige, sich für diese Zwangsadoptionen zu entschuldigen.
In dem Brief wird hervorgehoben, dass Papst Franziskus während einer kürzlichen Reise nach Belgien bereits die Ungerechtigkeiten im Zusammenhang mit den in diesem Zusammenhang aufgetretenen Zwangsadoptionen erkannt habe. Nun fragen sich die Autoren, ob den italienischen Opfern die gleiche Anerkennung zuteil wird.
Auf dem Weg zu einer Zukunft der Wahrheit und der Reparatur
Das Thema Zwangsadoptionen wirft weiterhin Kontroversen und unbeantwortete Fragen auf. Die Hoffnung besteht darin, dass die mediale Aufmerksamkeit und der öffentliche Druck zu mehr Transparenz auf Seiten der beteiligten Institutionen führen können. Die Forderung nach Gerechtigkeit für italienische Mütter und amerikanische Adoptierte stellt einen notwendigen Schritt zur Reparatur der Ungerechtigkeiten der Vergangenheit dar. Es ist wichtig, Licht in diese dunkle Geschichte zu bringen, damit sich ähnliche Missbräuche in Zukunft nicht wiederholen.