Der georgische Premierminister Irakli Kobachidse bekräftigte, dass die Integration Georgiens in die Europäische Union „die Priorität“ für die Regierung in Tiflis darstelle, trotz scharfer Kritik aus der Opposition, die der regierenden Partei autoritäre Tendenzen und eine zu große Nähe zu Russland vorwirft. Kobachidse sagte gegenüber Reportern, dass „unsere oberste Priorität in der Außenpolitik natürlich die europäische Integration ist“ und äußerte die Hoffnung, dass sich die Beziehungen zu Brüssel nach einer Zeit der Spannungen verbessern könnten. Er versprach außerdem, dass alles getan werde, um die vollständige Integration Georgiens in die EU bis 2030 zu erreichen.
Heute beschuldigte die Präsidentin des georgischen Parlaments, Shalva Papuashvili, Präsidentin Salome Surabichvili und die von ihr angeführte Opposition, einen „Putsch“ gegen die Ergebnisse der jüngsten politischen Wahlen geplant zu haben, bei denen die Partei „Georgischer Traum“ triumphierte. Gestern stellte Surabichvili die Gültigkeit der Wahlen in Frage und behauptete, sie seien „völlig gefälscht“ worden. Vor den Abstimmungen hatte der Präsident die Bildung einer Regierung vorgeschlagen, die sich ausschließlich aus Oppositionsmitgliedern zusammensetzt und die Aufgabe haben soll, die notwendigen Reformen umzusetzen, um den EU-Beitritt zu erleichtern, und anschließend innerhalb eines Zeitraums zwischen 12 und 18 Monaten wieder an die Wahlurnen teilzunehmen. Papuashvili kommentierte diesen Vorschlag mit den Worten: „Dieser Plan wurde im Voraus erdacht: Sie wollen die Ergebnisse für unrechtmäßig erklären, um eine Übergangsregierung zu schaffen. Es ist ein Putschszenario.“
Im Hinblick auf diese Wahlen betonte Dmitri Peskow, Sprecher des Kremls, wie wichtig es sei, dass sich kein externes Land in die Ergebnisse einmische, und definierte die Angelegenheit als „eine interne Angelegenheit Georgiens“.
Unterdessen äußerte der Hohe Vertreter der Europäischen Union für Außenpolitik, Josep Borrell, heute während seines Besuchs in Georgien harte Worte gegenüber dem ungarischen Premierminister Viktor Orban. Borrell erklärte öffentlich, dass Orban die EU „nicht vertritt“ und fügte hinzu, dass „der rotierende Präsident der Union keinerlei Autorität in außenpolitischen Angelegenheiten hat“.
In einem anderen Zusammenhang mit regionalen Konflikten sprach Borrell in einem Interview mit dem spanischen Nationalradio RNE über die heikle Situation in Gaza und im Libanon. Er warnte vor dem wachsenden Risiko, das die aktuelle Situation mit sich bringt: „Wir leben am Rande eines Funkens, der größere Brände auslösen kann.“ Im Hinblick auf die Spannungen zwischen Israel und dem Iran wies Borrell auf Befürchtungen im Zusammenhang mit möglichen Angriffen auf iranische Atom- oder Ölanlagen hin. Er räumte zwar ein, dass gegenseitiger Druck dazu beigetragen habe, die Eskalation des Konflikts vorübergehend einzudämmen, warnte jedoch: „Die Geschichte ist noch nicht vorbei.“ Konflikte wie der in Gaza stellen weiterhin eine echte Bedrohung für die Stabilität der Region dar.